Warum außen besser ist als innen
Jeden Juli klingelt bei uns das Telefon wegen der Hitze. Fast immer geht es dann sofort um eine Klimaanlage. Und fast nie um das Fenster, obwohl die Wärme genau dort hereinkommt.
Das ist der Punkt, an dem ich meistens kurz aushole. Denn wer versteht, was am Fenster passiert, spart sich oft die teure Lösung und bekommt trotzdem ein kühles Haus.
Was am Fenster wirklich passiert
Sonnenlicht ist kurzwellige Strahlung. Glas lässt sie fast ungehindert durch. Drinnen trifft sie auf Boden, Möbel und Wände, wird dort geschluckt und als langwellige Wärmestrahlung wieder abgegeben. Und langwellige Strahlung kommt durch die Scheibe nicht mehr hinaus.
Das ist der Treibhauseffekt im Kleinen, und er ist der Grund, warum ein Wintergarten im August unbenutzbar wird.
Entscheidend ist deshalb, wo der Sonnenschutz sitzt. Hängt er innen, hat die Strahlung die Scheibe schon passiert. Die Energie ist im Raum, egal wie dicht der Stoff ist. Der Innenbehang schluckt sie, wird selbst warm und heizt den Raum von innen weiter auf. Hängt der Schutz außen, wird die Strahlung abgefangen, bevor sie ins Glas geht. Die Wärme entsteht draußen und wird vom Wind weggetragen.
Die Zahl, auf die es ankommt
In der Fachwelt beschreibt das der Abminderungsfaktor, kurz Fc. Er sagt, wie viel des Sonneneintrags übrig bleibt. Die Normwerte aus der DIN 4108-2 sind eindeutig:
- Innenliegender Sonnenschutz, hell und schwach durchlässig: Fc etwa 0,75. Es bleiben also rund drei Viertel der Wärme im Raum.
- Außenliegende Jalousien, Raffstoren oder Rollläden: Fc etwa 0,25. Es bleibt rund ein Viertel.
- Außenliegende Markisen und Screens, je nach Stoff und Neigung: Fc zwischen 0,25 und 0,40.
Anders gesagt: Zwischen einer Innenjalousie und einem Raffstore vor demselben Fenster liegt ungefähr der Faktor drei. Das ist kein Feinschliff, das ist der Unterschied zwischen einem Raum, in dem man arbeiten kann, und einem, in dem man es nicht aushält.
Warum die Klimaanlage die teure Antwort ist
Wärme, die einmal drin ist, bekommen Sie nur mit Strom wieder heraus. Eine Klimaanlage kostet in der Anschaffung, im Einbau, im Betrieb und in der Wartung. Sie braucht ein Außengerät, das Ihr Nachbar hört, und sie läuft ausgerechnet dann, wenn der Strom am teuersten ist.
Außenliegender Sonnenschutz braucht dagegen nur einen Motor, der ein paar Sekunden am Tag fährt. Er senkt nicht nur die Temperatur, er schützt gleichzeitig vor Blendung und vor dem Ausbleichen von Möbeln und Böden, und er verbessert im Winter sogar den Wärmeschutz, wenn abends die Rollläden zufahren.
Ich sage nicht, dass eine Klimaanlage nie sinnvoll ist. Ich sage: Sie ist der zweite Schritt. Der erste ist das Fenster.
Welche Lösung wofür
Für Fenster an der Fassade sind Raffstoren, Rollläden und Screens das Mittel der Wahl. Der Raffstore kann als Einziger etwas, das die anderen nicht können: Er lenkt das Licht. Sie stellen die Lamellen so, dass die direkte Sonne draußen bleibt, das Tageslicht aber an die Decke gespiegelt wird. Der Raum bleibt hell und trotzdem kühl. Screens sind die ruhige Variante für große Glasflächen, weil sie flächenbündig laufen und den Blick nach draußen erhalten.
Für Terrassen und Balkone ist die Markise das, was sie immer war: schnell da, wenn man sie braucht, und weg, wenn nicht. Wer eine feste Lösung möchte, bei der auch Regen kein Thema mehr ist, landet beim Lamellendach oder beim Glasdach.
Und über der Sitzgruppe im Garten, wo nichts anzubauen ist, bleibt der Sonnenschirm die eleganteste Lösung. Er ist nicht die schwächste Variante, sondern oft die einzige, die überhaupt geht.
Wann innen trotzdem richtig ist
Es gibt Fälle, in denen außen nicht infrage kommt. In einer Mietwohnung dürfen Sie an der Fassade meist nichts anbringen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist außen oft nicht genehmigungsfähig. Und wenn es Ihnen um Sichtschutz am Abend oder um völlige Verdunkelung im Schlafzimmer geht, ist das ohnehin eine andere Aufgabe als Hitzeschutz.
Für diese Fälle gibt es Innensonnenschutz, und der ist dann auch die richtige Wahl. Nur sollte man wissen, was er leisten kann und was nicht. Gegen Blendung hilft er hervorragend. Gegen Hitze nur begrenzt.
Der beste Zeitpunkt ist der Herbst
Das klingt widersinnig, wenn man im August schwitzt, ist aber so. Im Frühjahr sind bei allen Herstellern die Termine weg, und die Lieferzeiten ziehen an. Wer im Herbst plant, hat im Mai eine fertige Anlage statt eines Auftrags in der Warteschlange.
Wenn Sie nicht sicher sind, was bei Ihnen passt, schauen wir uns das gemeinsam an. Himmelsrichtung, Glasfläche, Dachüberstand, vorhandene Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude entscheiden mehr als jeder Katalog. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular, was Sie vorhaben, gern mit einem Foto von der Fassade. Dann sagen wir Ihnen, was wirklich hilft. Und wenn nichts nötig ist, sagen wir Ihnen das auch.







